von Michael Lünstroth, 08.05.2018

Crashkurs in Sachen Müssiggang

Crashkurs in Sachen Müssiggang
Entspann Dich! Eine gemeinsame Veranstaltung von Kulturstiftung, Kulturamt und Kulturkommission fordert zum Müssiggang auf. Am 2. Juni in Steckborn. | © Kulturstiftung des Kantons Thurgau

Manchmal kann man das Gefühl bekommen, dass die Menschen gar nicht mehr wissen, wie sie ihre freie Zeit verbringen sollen. Kulturstiftung, Kulturamt und Kulturkommission hätten da ein paar Vorschläge

Von Michael Lünstroth

Alle sind gestresst, keiner hat mehr wirklich Zeit. Und wenn, dann nutzt man sie vor allem dazu, den Kopf leicht nach unten zu neigen und in einen kleinen Bildschirm zu starren. Tatsächlich könnte man bisweilen das Gefühl bekommen, dass die Menschen nicht mehr wissen, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen. Hobbys? Hat noch jemand so etwas? Oder ist alleine die Suche danach so mühsam, dass man es gleich lässt? Freizeit - das war mal die Goldmedaille der Lebenszustände. Heute ist auch das eine Qual, weil man aus einem Riesenangebot von Optionen gar nicht mehr weiss, was man tun sollen und bleibt dann doch lieber auf der Couch hängen.

Genau dieses Zeitgefühl greift jetzt eine gemeinsame Veranstaltung von Kulturstiftung, Kulturamt und Kulturkommission des Kantons Thurgau auf. Unter dem Titel «Musse» laden die drei Partner am Samstag, 2. Juni, nach Steckborn ein, um sich ganz dem Müssiggang hinzugeben. «Bereits die Menschen der Antike widmeten sich der Musse, die als schöpferische, der Arbeit entgegen gesetzte Zeit genutzt werden sollte. Daran wollen wir anknüpfen», erklärt Gioia Dal Molin, Beauftragte der Kulturstiftung. In insgesamt 10 Workshops am 2. Juni sollen den Gästen «Gestaltungsvorschläge für ihre Freizeit» unterbreitet werden, wie es im Einladungsflyer heisst. Eingeladene Gäste geben einen Einblick in ihre müssigen Aktivitäten und regen zum mitmachen an: Vom Kochen mit Wildkräutern über Klettern bis zum «Versuch des bewussten Nicht-Tuns» soll es ganz verschiedene Angebote geben.

Das «Hospiz der Faulheit» eröffnet den Tag

Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, bitten die Veranstalter um Anmeldung bis zum 9. Mai - am einfachsten per Mail (info@kulturstiftung.ch) oder Telefon (052 202 29 19). Die Teilnahme kostet 25 Franken inklusive Workshops, Apéro und Abendessen. Anmeldungen sind nicht für spezielle Workshops möglich, das Programm soll ein Stück weit überraschend bleiben. Vor Ort erfahren die Besucher, welchem Müssiggang sie an diesem Tag nachgehen können. Alle Lokalitäten sind vom Areal der Bernina fussläufig erreichbar.

Der Tag in Steckborn selbst beginnt um 14 Uhr in der Kantine der Bernina (Seestrasse 163) . Mit einer künstlerischen Intervention eröffnet das Kollektiv «Hospiz der Faulheit» die Veranstaltung. Das Kollektiv beschäftigt sich schon seit 2015 mit dem Thema und hat einen sehr politischen Blick darauf. Auf ihrer Internetseite beschreiben die Künstlerinnen und Künstler ihr Anliegen so: Es gehe um  «die Suche nach einer konstituierenden ethisch-politischen Praxis, welche uns aus der Verwertungslogik von Produkt, Produktivität, Produktion und Produzent*innen befreien könnte. Es ist eine Suche nach einer gemeinsamen Praxis, sich den Funktionen, Rollen und Normen der kapitalistischen Gesellschaft nicht zu unterwerfen. Es geht um (…) die Frage wie „die Zeit gemeinsam gelebt werden kann».

Veranstaltung knüpft an das Jahr 2015 an

Nicht die schlechteste Frage. Nach Angaben der Veranstalter soll der Nachmittag auch eine Plattform sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit dem Format knüpfen Kulturstiftung, Kulturamt und Kulturkommission an eine Veranstaltung aus dem Jahr 2015 an: Unter dem Stichwort «Schaffe» hatten die Partner damals zum Austausch eingeladen. Nach der Arbeit nun also die Musse. «Für uns hat sich das fast logisch ergeben, dass wir uns jetzt mit dem Thema beschäftigen wollen», erklärt Gioia Dal Molin. Ausserdem passe das jetzt auch gut in unsere Zeit.

 

Das Programm im Überblick

ab 14 Uhr: Eintreffen bei der Kantine der Bernina in Steckborn (Seestrasse 163)

14.30 Uhr: Begrüssung und Input mit dem Künstlerkollektiv «Hospiz der Faulheit»

15.30 bis 17.30: Die Workshops laufen: Zweimal 45 Minuten Anleitungen für die freie Zeit

17.45 Uhr: Apéro und Intervention mit der Musikerin Rahel Kraft

18.30 Uhr: Abendessen

 

 

 

 

 

 

 

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